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Zwischen Identität und Wissenschaft

Die Wartburg

Die Wartburg ist wohl eine der bekanntesten Welterbestätten Deutschlands. In ihr 
vereinen sich viele Jahrhunderte deutscher Geschichte, und viele Narrative ranken sich 
um sie. Sei es der Sängerkrieg von 1206, der die Burg schon früh zu einem Symbol 
deutscher Kulturgeschichte gemacht haben soll, oder große Persönlichkeiten wie die 
Heilige Elisabeth von Thüringen, die als Verkörperung christlich-westlicher Tugenden 
auftritt. Martin Luther fertigte hier seine Übersetzung des Neuen Testaments an und 
prägte damit auch die Entwicklung der deutschen Sprache, die über lange Zeit vielen als 
das verbindende Merkmal der Deutschen galt.
Diese und viele weitere Geschichten laden die Wartburg mit Bedeutung auf, verknüpfen 
sie mit der deutschen Geschichte und ihrer Kultur und machen so aus der Wartburg ein 
Symbol deutscher Identität.
Doch dieses Bild als Nationalsymbol ist keinesfalls rein zufällig entstanden. Vielmehr 
wurde es über Jahrhunderte hinweg bewusst konstruiert und gepflegt. Dabei sind viele 
der identitätsstiftenden Narrative aus wissenschaftlicher Sicht überholt oder müssen
zumindest differenziert gesehen und kritisch eingeordnet werden.
Doch wie kann die Wartburg, die so sehr als Symbol und Sehnsuchtsort deutscher 
Identität gesehen wird, den daraus resultierenden Erwartungen der Besucher*innen 
begegnen und gleichzeitig dem Anspruch wissenschaftlich fundierter Vermittlungsarbeit 
gerecht werden? Wie kann ihre symbolische Bedeutung erfahrbar gemacht, aber 
zugleich eine kritische Auseinandersetzung ermöglicht werden?
Mit diesen Fragen habe ich mich im Rahmen meiner Forschungsarbeit beschäftigt. 
Dafür besuchte ich selbst die Wartburg, nahm die dortigen Bildungsangebote unter die 
Lupe und sprach mit mehreren an der Vermittlungsarbeit beteiligten Personen.

Gereon Wollek

Fächer
 Public History

Forschungsgebiet
 Wartburg, Thüringen

Koordinaten
 50.967, 10.306

Forschungszeitraum
 2025/2026